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Photo zeiht Landschaft mit Ausschnitten eines Regenschirms, eine Hand, ein Knie und einen Totenschädel.

(P)Fund(s)stücke

Frauen sind Sammler. Wir machen hormonell unberechenbare und sinnlose Dinge wie furchtbare Unterwäsche für furchtbare Zwecke "aufzubewahren", dann aber doch zu stolz und eitel sind, den guten 3er-Schlüpferpack von Hunkemöller für 3,99 auch nur eines Blickes zu würdigen. Trotzdem sind wir überzeugt, ihn "eines Tages" (Anm. d. Red.: wenn sämtliche Unterwäsche dieses Planeten aufgebraucht ist/ Wir einen Massenmörder oder Vergewaltiger abschrecken wollen/ Wenn Kaffeefilter aus sind/ Wir ein lustiges Faschingskostüm aus Unterwäsche nähen wollen ...) noch gebrauchen zu können. So landet das ungeliebte Stück ganz weit hinten im Schrank bis es dann - tadaaaaaaaa - urplötzlich nach 20 Jahren wieder auftaucht. Und mit derartigen, plötzlich wieder aufgetauchten Relikten aus vergangenen Tagen, möchte ich euch nun konfrontieren - meinen (P)Fund(s)stücken.

 

Verwünscht

Photo zeigt einen alten Wunschzettel

So ein Wunschzettel ist schon praktisch. Ohne jemandem in die Augen gucken zu müssen und die Gefahr zu laufen, dass man mit einem angeekelten Blick gestraft oder für unszurechnungsfähig erklärt wird, kann man seinen Mitmenschen mitteilen, was für Wünsche einen für den besonderen Anlass (Weihnachten, Geburtstag, Beschneidung ...) plagen.
Keine Ahnung mehr, für welchen Anlass ich diesen Wunschzettel schrieb. Ich finde es nur äußerst rücksichtsvoll, dass ich ihn mit unserer uralten Schreibmaschine getippt habe - damit ihn auch ja jeder lesen kann.

Schauen wir uns das mal genauer an. 1. Wunsch: Spiel "Poltergeist". Ich glaub' es hackt. Ich würde mir heuzutage keinen Film mit diesem Namen ausleien. Ich bin einer der größten Angsthasen auf diesem Planeten. Meist bin ich schon völlig fertig mit den Nerven, wenn nur das Intro zu einem Horrorfilm läuft. Und während des Films hört man von mir Sätze wie "Ich mag nicht mehr", "Ich bin zu alt für so etwas", "Ich muss weg, mein Bus fährt gleich!", "Guck du hin - ich kann gerade nicht". Ich sehe und höre auch immer nur etwa 1/3 eines Horrorfilmes. Den Rest habe ich die Augen zu/Hände vor den Augen und wenn die Hände frei sind, halte ich mir damit die Ohren zu, damit ich die gruselige Musik nicht hören muss.

Wunsch 1 b): Der Hamster. L.M.A.A. - was war ich durchgeplant. Ich habe sogar Anweisungen gegeben, wo der zu kaufen ist, ich ausgefuchste Sau. Eigentlich wollte ich ein Pony haben. Aber da meine Mutter das nicht wollte und es auch in keinen Käfig passte, degradierte ich meinen Wunsch zum Hamster. Aber auch der war mir nicht vergönnt. Selbst mein Vorschlag, dass ich meiner Mutter das Geld für den Käfig eines Tages zurückzahlen werde, hat sie nicht erweichen können.

Wunsch 2: Bammelohrringe. So wurden damals zeitweise "hängende" Ohrringe zum klippen genannt. Und ich war ganz scharf darauf. Als ich mich dann allerdings Jahre später auf einem Foto bei der Konfirmation meiner Schwester mit besagten Ohhringen sah, musste ich sehr mit mir ... ringen! Dafür gibt es genau ein Wort: Verboten!!! Einfach nur verboten! Ich sah aus wie eine Halbprofessionelle. Allerdings mit einem ganz reizenden, weißen Blüschen dazu. Ja, da steckte die Hure im Detail (der Teufel war gerade auf Gruppenfreizeit).

Wunsch 3: Ja, Schuhe halt. Das benötigt keiner weiteren Erklärung.

Wunsch 4: Ich kann es nicht fassen. Wie unnötig und werbegeschädigt ist das denn? Frisur sitzt ... . Ich kann heute sogar noch diverse Werbemelodien aus den 80ern und 90ern nachsummen und -singen. Von "Like ice in the sunshine" bis hin zur leicht sexualisierten Gammon-Melodie ist alles drin. Der Werbespot dazu könnte übrigens auch ein super Werbespot für Paarship sein: "Jede 11. Minute verliebt sich eine geistig umnächtigte Frau auf einem Bootsteg in einen Typen, der  alphamännchenlike und gleichermaßen hart sinnlich ihr davongeschwebtes Seidentuch aufhebt".


Danach war ich nur noch Sprachlos. Wunsch 5 ist unbesetzt. Dann wünsche ich mir eben jetzt schnell was nach: Bitte schaut euch doch alle mal den Moulinex-Staubsauger-Werbespot von 1989 an ... ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Daher hat mein Körper eigenmächtig entschieden, als Übersprungshandlung Gänsehaut zu simulieren.

 

Irgendwie böse

Photo zeigt einen alten Liebesbrief aus der Grundschulzeit.

Es war so einfach. So schnörkellos. So unbefangen. Kein wochen- bis jahrelanges Umeinanderherumgeschleiche. Es wird nichts zerdacht. Nur geschrieben. In Schreibschrift. In Extase. In vorfreudiger Erwartung. Oder - wie in meinem Fall - mit zitternden Knien. Schließlich dachte ich, dass mir mein Homie und Boyfriend "irgendwie böse" sein könnte. Wir hatten einige Zeit zuvor per Kreuz (war ne offizielle Wahl) festgestellt, dass wir offensichtlich füreinander bestimmt und seelenverwandt sind. Aber dann schleicht sich schnell der Alltag ein. Dagegen muss man etwas tun. Zum Beispiel sich offiziell zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist. Ganz nebenbei versucht man natürlich noch, seinen Gegenüber durch umfangreiche Fremdsprachenkenntnisse einzuschüchtern und gefügig zu machen.
So schickte ich - es war in der 3. oder 4. Klasse - ein kleines Zettelchen quer durch den Klassenraum, das ich nun mit euch teilen möchte. Den Namen des Empfängers habe ich selbstverständlich unkenntlich gemacht. Offensichtlich war da niemand "irgendwie" böse. Hmmmm, wenn ich heute so darüber nachdenke ... vielleicht war der ja wirklich nicht IRGENDWIE böse ... sondern ZIELGERICHTET. Eine beängstigende Vorstellung. Und jetzt werde ich es niemals erfahren.

 

Eine Frage der Ehre

Photo zeigt eine alte Siegerurkunde der Bundesjugendspiele.

Bundesjugendspiele - ich habe sie gehasst! Es hat auch immer bloß für die Siegerurkunde gereicht. Und wenn es nur 50 Punkte waren, ich bin immer daran vorbei gelaufen/ gesprungen/ geflogen. In einem Jahr dann habe ich aus innerer Protesthaltung (gegen das System) heraus, so lange mit meinem Fuß gegen meinen Bettkasten getreten, bis mein einer Zeh untauglich ausgemustert werden musste. Ich bekam eine offizielle Krankschreibung vom Arzt. Die habe ich mir ehrlich verdient. Und dann - potzblitz - mussten die Bundesjugendspiele in dem Jahr abgesagt werden. That is fucking karma!

 

 

Hackenschuß im Unterricht

Photo zeigt ein altes Briefchen eines Mitschülers

Unterwegs

20. Dezember 2017
"Kunst & Frevel"
(Salon Hansen | Lüneburg)

27. Dezember 2017
"die wohngemeinschaft LIEBT Reim in Flammen"
(die wohngemeinschaft | Köln)

28. Dezember 2017
"Reim in Flammen"
(Club Bahnhof Ehrenfeld | Köln)

26. Januar 2018
"statt-Gespräch"
(statt-Theater | Neumünster)

09. Februar 2018
"Poetry Slam Landsberg"
(Stadttheater Landsberg | Landsberg)

Photo zeigt Monika Mertens, die einen organgefarbigen Regenschirm in der Hand hält und einen komischen Vogel auf der Schulter sitzen hat

Hard Facts

Neben greifbaren Relikten gibt es auch bloße Tatsachen: Ich beobachte gerne Männer, die Frauen beobachten, während sie sich selbst vollkommen unbeobachtet fühlen. Mehr Hard Facts